„I moin’s doch bloß gut!“ Doris Reichenauer bezirzt rund 200 Fans auf der Fährlebühne

Energiebündel Doris Reichenauer bezirzt ihre rund 200 Fans auf der Fährlesbühne Heilbronn. Foto: Leonore Welzin
Leonore Welzin, Heilbronner Stimme: www.stimme.de
Wie Pech und Schwefel haben sie als Duo „Dui do on de Sell“ mehr als zwei Jahrzehnte die Comedy-Szene belebt. Schwäbische Mundart ist das Pfund, mit dem Doris Reichenauer und Petra Binder wucherten. Gemeinsame Bühnenauftritte sind krankheitshalber nicht mehr möglich, und so schlägt sich Dui do solistisch durch. Das Schwäbische bleibt den Fans erhalten: „Ich bin Vollblut-Schwäbin. Mei Alex han I uff Schwäbisch programmiert. Wisset ihr, was die g’sagt hat, als I nach em Restaurant für heut Abend g’frogt han? Des Restaurant kannsch dr ausm Kopf schlage, mr hen no Maultasche in dr G’friertruh.“, erzählt Reichenauer. Nicht schlecht, wenn die smarte Assistentin die schwäbische Hausfrau an ihre Tugenden erinnert.
Veranstaltet von der Heilbronn Marketing unter dem Motto „Kultur am Fluss“, legt die Kabarettistin ein kurzweiliges Solo auf die Bretter der Fährlebühne.
In den gut zwei Stunden ist außer einer im Neckar schaukelnden Schwanenfamilie und dem Kurzauftritt eines Motorboots niemand da, der ihr die Show „I moin’s doch bloß gut!“ stehlen könnte.
Treffer Der Titel übersetzt „Ich meine es doch bloß gut“, macht skeptisch, denn bekanntlich ist das „gut Gemeinte“ ja leider häufig das Gegenteil vom „gut Gemachten“. Nicht so bei der Reichenauer. Fit wie ein Turnschuh kokettiert sie ein bisschen mit der schwäbisch-pietistischen Gewohnheit, sich selbst zurückzunehmen, nur, um umso frecher und rabiater aufzutrumpfen. Stöhnen aus Auf- oder Erregung? Ja bis 30. Danach aus Leidenschaft! „Aber spätestens ab 60 stöhnt man nur noch aus Konditionsmangel.“
Ihre Pointen sind Treffer. Auch wenn die Karrieren als Bundesliga-Faustballerin und Kunstturnerin schon ein halbes Leben zurückliegen, sie haben sich von Kopf-Kurzhaarschnitt, der wild in alle Richtungen absteht – bis Fuß (Tennistreter) in den Körper eingeschrieben.
In der ersten Hälfte des Abends knüpft sich die konditionsstarke Lady Männer vor. Prototyp: ihr Dieter. Sie schnappt sich den Fitnesstrainer, und flüstert ihrem Partner im Vorbeitanzen zu, dass sie keinen Slip trägt.
Trick Ab einem gewissen Alter seien Frauen für Männer nicht mehr da, sie würden permanent übersehen. Ihr Trick: „Wenn sich zwei Männer prügeln, stell ich mich daneben, damit alle denken, die kloppen sich meinetwegen.“ Und noch ein Blick in die Trickkiste: „Diese Kette“, sagt sie und zieht das Goldgeschmeide am Hals für alle sichtbar nach vorn: „Diese Kette ist durch Wasserkraft entstanden!“ Aha, denken die annähernd 200 Fans, doch statt der erwarteten Zaubershow die Lösung: „ I han so lang plärrt, bis er se kauft hat.“
Im zweiten Teil sind die Kinder dran. Mit ihnen scheint sie ganz zufrieden zu sein. Für die Erziehung seien die ersten fünf Jahre am wichtigsten. Jetzt seien sie erwachsen. Der Tochter habe sie kürzlich einen Mann „ertindert“, weil sie sich nach Enkeln sehne. Der Sohn, ein kleiner Filou, studiere ausgiebig, unter anderem, weil er im Wintersemester immer als Skilehrer arbeite nach dem Motto: „Lieber zwei lockere Schnallen als eine feste Bindung!“
Bravos, Ovationen im Stehen und Gedränge am Souvenir-Tisch – alles in allem ein sehr schöner Abend am Neckar.
