Lieblingsthemen von Doris Reichenauer sind die Liebe und das Leben.

Kleinkunstpreis für Gechingerin: Lieblingsthemen von  Doris Reichenauer sind die Liebe und das Leben

Doris Reichenauer aus Gechingen ist bekennendes Landei. Dass sie als Kabarettistin ihr Geld verdienen würde und sogar ausgezeichnet wird, hätte sie nie gedacht. Wie kam sie dazu?

Gechingen. Die Kabarettistin Doris Reichenauer stammt aus einer Handwerkerfamilie in Gechingen. So ist es durchaus ungewöhnlich, dass ihr das künstlerische Geschick in die Wiege gelegt wurde. Reichenauer erinnert sich an den trockenen Humor ihrer Mutter. Ihr Vater spielte Musikziehorgel und war in der Feierszene bekannt. Tochter Doris lernte Klavier und Gitarre.

Doch wie es sich für eine bodenständige Schwäbin gehört, lernte Reichenauer etwas Solides. Sie ließ sich zur technischen Zeichnerin bei einem großen Autohersteller ausbilden.

Dabei stand Reichenauer schon früh auf der Bühne. In der Schule spielte sie in der Theatergruppe im Stück von Friedrich Schillers Wilhelm Tell eine Mutter von zwei Töchtern: „Es war eine Heulsusennummer.“ Auch bei der Theatergruppe der Sportfreunde Gechingen mischte sie mit. Da war dann Komik angesagt. Es ging eher in Richtung Bauerntheater.

Paul Hansen, Schreiber der Stuttgarter Mundartbühne Stäffelesrutscher, war bei einer der Aufführungen der Theatergruppe der Sportfreunde Gechingen im Publikum und entdeckte Reichenauers Talent. Sie wurde von der Bühne weg engagiert. Ihre Eltern haben sie auf ihrem Weg immer unterstützt.

Bei den Stäffelesrutschern traf sie Petra Binder. Vor rund 25 Jahren waren die Stäffelesrutscher für einen Auftritt im Kloster in Hirsau gebucht. Doch der Auftritt war wegen Krankheitsausfällen nicht möglich. Die Eintrittspreise waren bereits bezahlt. Absagen wollte Reichenauer den Auftritt aber trotzdem nicht. Stattdessen trat sie kurzerhand mit Petra Binder in Hirsau auf. Sie bot den Besuchern an, das Geld wieder zurückzubezahlen.

Der Auftritt war ein großer Erfolg. Mit Reichenauer und Binder war ein neues Duo geboren. Als Dui do on de Sell zogen die beiden Frauen durch die Lande. Nebenbei: Kein Besucher in Hirsau forderte sein Geld zurück. Seit 2020 tritt Reichenauer mit Binder bei der Wohnzimmer-Comedy im SWR auf. Gedreht wird in einem Studio in Stuttgart. Inzwischen gibt es 30 Folgen.

Dabei kommt die Urschwäbin nicht nur im Ländle gut an. Seit 2021 hat Reichenauer bei der volkstümlichen Musiksendung Brettl-Spitzen des Bayerischen Rundfunks ihre Solo-Auftritte. Sie freut sich über „wahnsinnige Einschaltquoten“. Auch für die „Brettl-Spitzen on Tour“ wird sie immer wieder gerne gebucht.

Bei Reichenauers Auftritten geht es immer um das Leben und die Liebe. „Ich will nicht politisch sein“, sagt sie.  Das heißt aber nicht, dass es bei ihr keinen Tiefgang gibt.  So beschäftigt sich die 62-Jährige mit dem Älterwerden und sagt über ihr Aussehen: „Jede einzelne Falte habe ich mir erlacht und erfeiert.“ Schließlich hat die zweifache Mutter inzwischen Enkelkinder. Die Familienmitglieder tauchen in ihren Programmen auf. Sie verspricht, dass dabei nie gelogen wird: „Nur der Name ist anders.“

Reichenauers künstlerisches Wirken hat jetzt auch die Jury des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg überzeugt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst lobt den Preis aus. Er ist mit 5000 Euro dotiert. „Ihr charmant-schwäbisches Auftreten hat eine enorme Publikumswirkung“ heißt es in der Begründung zur Preisverleihung in einer Mitteilung des Ministeriums. Reichenauer freut sich dabei weniger über die 5000 Euro als vielmehr über die Anerkennung ihrer Arbeit.

Schwarzwälder Bote: Wolfgang Krokauer
Foto: Doris Reichenauer