Doris Reichenauer und Bernd Kohlhepp – da waren zwei Profis am Werk. Foto: Hella Schimkat

Selten hat die Neue Tonhalle so gebebt vor Gelächter wie am Mittwoch, denn zwei Urgesteine des Kabaretts zeigten mit vollem Mimik- und Körpereinsatz, wie man schwäbisch schwätzt, lacht und spielt. Veranstalter war der Schwarzwälder Bote.

VS-Villingen. Doris Reichenauer, die jahrelang mit ihrer Partnerin Petra Binder als bärenstarke Frauenpower auftrat, ging eine Weile getrennte Wege. Damit sie sich nicht so einsam fühlt, fand sie Bernd Kohlhepp, einen Kabarettisten mit enormen Output, ebenfalls ein Einzelkämpfer, der ebenfalls brüllende Lacher in der ausverkauften Tonhalle fand.
Schon der Name „Dui do on de Sell“ machte dem fast vollständigen schwäbischen Publikum keine Schwierigkeiten, aber die wenigen „Ausländer“ in der Neuen Tonhalle, Saarländer, Königsfelder und Unterkirnacher, hatten schon mit dem Titel ihre Not.
Schwäbischer Elvis
Bernd Kohlhepp, der schwäbische Elvis, ließ es sich nicht nehmen, die Uusländer mit einzubinden, sogar in seinen begnadeten Gesang. „Wo hast Du deinen Mann kennengelernt, was, das weißt Du nicht mehr?“ Wartete er keine Antwort ab, während der Saarländer und Königsfelder sich schon duckten, das half nichts. „Die Mitarbeiterin des Schwarzwälder Boten schreibt dauernd mit, für wen denn, für den Michael aus Unterkirnach?“ das waren nur fünf statt zwölf Punkte.
Er hatte den Elvis drauf, gesanglich hätte er ihn durch die Wand gesungen, „This old house“, rockte er in schwäbisch, ließ die Hüften kreisen, tolle Mimik, er war echt sexy. Dann erläuterte dem erlauchten Publikum seine Ähnlichkeit mit Elvis: „Er hatte Schuhgröße 43, ich auch“, „er lebte in Graceland, ich habe auch Gras vorm Haus“, bei der Figur hielt er sich vornehm zurück.
Sie stürmt die Bühne
Während Kohlhepp brav am Tisch ausruhte, stürmte Doris Reichenauer die Bühne, also eigentlich traten sie in umgekehrter Reihenfolge auf, aber das ist jetzt egal. „Ich bin so schwäbisch, sogar meine Alexa schwätzt schwäbisch“, stellte sie sich vor. Dann knöpfte sie sich ihren Göttergatten vor, der seit einem halben Jahr täglich zuhause war, jeden Tag, jammerte sie, sie müsse ja an alles denken, um ihn artgerecht zu halten, erntete sie Brüller in der Tonhalle. Im flotten, grell-pinken Hosenanzug hielt sie sich über die jungen tätowierten Menschen auf. Die Männer seien am ganzen Körper enthaart und tätowiert, hätten aber Vollbart und auf dem Schädel einen Dutt. Die jungen Frauen hätten hinten ein Hirschgeweih tätowiert, „wenn die älter werden, wird das ein Zwölfender“, frohlockte sie.
Als echte gute Mutter suchte sie per App einen Freund für ihre Tochter und wies ihr drei zu. Die Tochter raufte sich die Haare: Heutzutage trifft man sich nicht, man schreibt hin und her. Da wurde die Mutter rabiat und donnerte: „Den dritten nimmst Du“.
Das Paar in der ersten Reihe, die waren noch geschädigt vom Kohlhepp, fragte sie nach ihren Hobbys: „Garten und Wandern“ lautete die Antwort. Doris entgleisten die Gesichtszüge vor Horror. Ihren letzten Schmuck von ihrem Mann habe sie bei der Geburt ihren Kevins erhalten, das sei die Wurfprämie, „Wie, sagt man das nicht?“ fragte sie auf die Entsetzensschreie im Publikum.
Jetzt führte Kohlhepp seine Uhr vor: „Ich sehe den Einbrecher in meiner Wohnung und sage ihm, er soll mal unter dem Bett nachschauen, und wenn er gehe, den Herd ausmachen“.
Dieses fantastische Duo, das nie zusammen aufgetreten war, harmonierte und ergänzte sich hervorragend. Zugaben sollten sie geben, verlangten die Zuschauer. Die zwei schauten sich an: „Das können wir nicht“. Aber irgendwie bekamen sie doch etwas hin, bevor sie nach fast drei Stunden Arm in Arm die Bühne verließen.