Sigmaringen 29.12.2017: Gummibären halten alles schön elastisch

Petra Binder (links) und Doris Reichenauer treten als das Kabarett-Duo „Dui do on de Sell“ auf.

Petra Binder (links) und Doris Reichenauer treten als das Kabarett-Duo „Dui do on de Sell“ auf. Kröbert

Komplett ausverkauft ist die Stadthalle Sigmaringen beim Auftritt des Kabarett-Duos „Dui do on de Sell“ gewesen. Sie haben mit ihrem Zauberwort „Bitte“ 493 Gäste mit Witz und Charme hellauf begeistert. In so manchen Situationen der Kabarettistinnen „Der einen oder der anderen“ (wie man „Dui do on de Sell“ übersetzen könnte) fand sich auch der eine oder andere im Publikum erschreckend ehrlich wieder.

In ihrem Programm „Das Zauberwort heißt Bitte!“ warfen „Dui do on de Sell“ einen kabarettistischen Blick durch anderer Leute Küchenfenster. „Schee, dass ihr do sind, seid ihr freiwillig do?“, fragte Doris Reichenauer in gepflegtem Schwäbisch zur Begrüßung ins Publikum und war damit schon mitten im Geschehen. Wolfgang aus dem Publikum bekam laut Nachfrage die Eintrittskarte zu Weihnachten. „Komm Wolfgang, machen wir das Beste draus, ich wär’ auch auf dem Sofa, wäre ich jetzt zuhause“, tröstete Doris Reichenauer den Zuschauer aus der ersten Reihe.

Auf die Frage hin, was es Neues gäbe, antwortete Petra Binder, dass ihre Partnerin beim Friseur war und sich einen Kurzhaarschnitt zugelegt habe. Es habe halt mit langer blonder Mähne und den Männern nicht mehr geklappt, so kam es postwendend zurück.

Über zwei Stunden wurde aus dem berühmten Nähkästchen geplaudert. Mit dem Kauf neuer Schuhe könne man jedes Problem meistern, sogar die Zurechtmodellierung ihres Neuen nach der Scheidung funktioniere nach dem Erwerb neuen Schuhwerks besser, erklärte Reichenauer. Eigentlich wollte Reichenauer ja Schlagersängerin werden, wurde jedoch in der Schule als neuer Stern am Theaterhimmel entdeckt. Trotz bodenständiger Ausbildung als technische Zeichnerin in der Entwicklung bei Daimler ließ sich das Schicksal nicht aufhalten. Als waschechte Schwäbin trieb es die geborene Künstlerin ins Rampenlicht.

Hüften heißen „Tira-Misu“

Ob nichts nutzende, untalentierte Ehemänner mit Kofferpack-Inkompetenz oder Yoga-Ausflügen, um den fortschreitenden körperlichen Verfall aufzuhalten, die Zuhörer hingen den energiegeladenen Damen von nebenan förmlich an den Lippen. Mit asiatischem, pilatischem Yoga habe sie jetzt begonnen, nachdem es ihr mit ihren beiden Hüften namens „Tira-Misu“ nun doch zu rund wurde, sagte Petra Binder. Ihrer „erweiterten erotischen Nutzfläche“, wie ihr Gerhard es immer liebevoll sage, sollte es nun an den Kragen gehen und in sportlichen Gymnastikdress ging es in die zweite Hälfte des Comedy-Programms.

Saumäßig müsse man darauf achten, was man esse, doch Gummibärchen halten alles schön elastisch, war die Meinung beider daraufhin. „Kleine Kinder mag ich ganz arg, doch es ist schade, dass die Kinder heute nicht mehr Danke und Bitte lernen“, sagte Binder. Als sie ein Kind nach dem magischen Zauberwort fragte, antwortete der Kleine völlig verwirrt mit „Simsalabim“ anstelle von „Bitte“. Jede Zeit habe ihre eigene Mode, sowohl Sprache als auch Kleidung. Bei der Jugend pendele sich der Hosenschritt auf Kniehöhe ein, sodass vernünftiges Laufen zum Problem werde, warf Binder ein. Die gelernte Bürokauffrau der IT-Branche wurde in der Pfalz geboren und machte mit ihrem Schauspiel ihren Kindheitstraum wahr. Themen des normalen, täglichen Lebens verzauberten die rhetorisch brillanten Damen des Kabaretts als Duo zu einem Feuerwerk an Gags, Pointen mit Witz und herrlicher Zweideutigkeit. „Dui do on de Sell“ wurden für Kurzweiligkeit bei bester Unterhaltung mit tosendem Beifall belohnt.

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