Oberrot 17.03.2018: Wenn der Busen chillt

„Dui do on de Sell“ haben das Publikum in der ausverkauften Kultur- und Festhalle in Oberrot im Griff.
„Dui do on de Sell“ haben das Publikum in der ausverkauften Kultur- und Festhalle in Oberrot im Griff.© Foto: Andreas Balko

Mit ihrem Bühnenprogramm „Reg mi net uf“ brachte das Kabarett-Duo „Dui do on de Sell“ das Publikum in der ausverkauften Kultur- und Festhalle Oberrot zum Toben. Petra Binder und Doris Reichenauer hatten den alltäglichen Wahnsinn menschlichen Zusammenlebens in ein zweieinhalbstündiges Programm gepackt. Vor allem die Männerwelt bekam kräftig ihr Fett ab, jedoch auf eine Weise, die auch das vermeintlich starke Geschlecht herzhaft mitlachen ließ.

„Ehrlich, geht’s euch gut? Uns net! Mit oimol hasch dr Moa dorhoim. Altersteilzeit! Wer des erfunda hat, der ghert eigschberrt!“ Mit diesem Entree der beiden Vollblut-Comedians war der erste große Themenbereich abgesteckt, der sich wie ein roter Faden durch den Abend zog. Ehemänner, die in die Jahre gekommen sind und als Rentner daheim lästig werden.

Der eine Mann organisiert den Haushalt stringent durch, nimmt seiner Ehefrau alles aus der Hand und nervt mit seiner ständig guten Laune. Der andere sagt, er könne alles, macht aber nichts im Haushalt. Es sei denn, seine ehemalige Sekretärin stellt es ihm in den Onlinekalender als Aufgabe ein. Mit dem Liebesleben klappt es auch nicht mehr so ganz. Die beiden Freundinnen erzählen vom Dessous-Kauf, der es wieder befeuern sollte. Doch die Sache geht schief. Während der eine Mann trocken meint: „Und morgen hasch’s widder an dr Blos!“, reagiert der andere auf seine Ehefrau, die ihn in Lack und Leder erwartet, mit den Worten: „Hey Batman, was gibt’s zum Essen?“

„Speck-Trumms-Erweiterung“

Nahezu alle Problembereiche des Zusammenlebens werden durchleuchtet, und es ist natürlich klar, dass der Mann das eigentliche Problem darstellt. Dabei beziehen die beiden das Publikum mit ein: „Bisch du deinem Traummann scho begegnet?“ Als sie mit „Ja“ antwortet, deutet die Komödiantin auf ihren Begleiter und meint: „Warum hasch dann den gnomma?“ Petra und Doris nehmen auch selbstironisch die Frauenwelt auf den Arm, wenn es etwa ums Thema Schönheit geht. Der eigene Bauchansatz wird zur „Speck-Trumms-Erweiterung“, der Busen hängt nicht, er chillt, und das eigene Schnarchen ist eigentlich ein Schnurren.

Im Lauf des Freundinnengesprächs, das wie ganz normaler Tratsch wirkt und bei dem sich ein Thema „organisch“ aus dem anderen entwickelt, werden viele weitere Lebensthemen angeschnitten: das Verhältnis zur Schwiegermutter, die antiautoritäre Erziehung, die neuen Medien, die bewirken, dass man nicht mehr miteinander spricht, weil man nur noch per Whatsapp miteinander am Essenstisch kommuniziert, Vegetarier und Veganer und die eingebildeten künftigen Schwiegerleute, die den Wein so lange atmen lassen, bis er stöhnt. Was Petra und Doris ansprechen, wird nicht langweilig. Lachsalven sind garantiert. Der Funke war schnell übergesprungen.

Jetzt haben sie einen in der Hand. Und so fällt es gar nicht auf, dass die Zeit bei 23 Uhr angelangt ist, als die beiden den Schluss einläuten. Aber nach einem langen Applaus ist doch noch eine Zugabe drin. Man kann kaum genug kriegen von diesem Duo, das so herrlich gesten- und mimensicher agiert, so humorvoll und witzreich auftritt und doch so natürlich, als seien es „zwei von uns“.

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