Kornwestheim: Von den Vorzügen der “erweiterten erotischen Nutzfläche”

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Kornwestheim Schwäbisches Kabarett in Reinkultur haben Petra Binder und Doris Reichenauer im K geboten.

Kornwestheimer Zeitung: Von Sabine Baumert (13.012014)


Vorsicht: Schwertgoschen: Petra Binder und Doris Reichenauer im K
Foto: Horst Dömötör

Da sage noch einer, die Schwaben seien langsam und bedächtig. Die Komödiantinnen von Dui do on De Sell beweisen, dass Ureinwohnerinnen des Südwestens auch ganz anders können. In ihrem neuen Programm “Das Zaubwort heißt BITTE” jagte ein Gag den anderen, und die Zuhörer zwischen 15 und 85 im vollen Theatersaal brachen drei Stunden lang immer wieder in Lachen aus.

Die beiden resoluten Damen, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, sprechen sicher vor allem diejenigen an, die wie sie gerade jenseits der 50 sind. Denn da kam alles zur Sprache, was Frauen im besten Alter so bewegt – von der Wahl der Frisur oder des richtigen Fitnessprogramms (“asiatisches pilatisches Yoga”) über Fettpölsterchen und Falten, Globuli auf Rezept vom Hausarzt bis hin zur Beziehung zum Partner und dem Nachwuchs.
Von hinten sieht sie mit dem pfiffigen Kurzhaarschnitt zwar noch so aus, dass ihr die jungen Männer auf der Königsstraße hinterherpfeifen. Von vorne indes überwiegt bei den Pfeifern meist die Ernüchterung, berichtet Doris, Männer im eigenen Alter dagegen, erklärt Petra, wissen die “erweiterte erotische Nutzfläche” der paar Kilo zu viel durchaus zu schätzen. Überhaupt die Männer. Petra ist seit 30 Jahren mit Dieter verheiratet, bei dem das Zauberwort “bitte” überhaupt nichts mehr nützt, wenn sie sich mal wieder sehnlich eine neue Kroko-Handtasche mit Seidenfutter wünscht. Nach so vielen gemeinsamen Jahren hat man sich nicht mehr viel zu sagen. Doris, zum zweiten Mal verheiratet, hat noch bessere Karten. Da ist alles noch frisch, man redet miteinander, und das Bitte-Bitte-Machen nützt noch etwas, hat sie beobachtet.
Zur Not greifen die beiden zur Selbsthilfe und belohnen sich nach kleinen Wehwehchen selbst. Da wird beim Schuhversand oder im Handtaschenladen nach Herzenslust geshoppt. Am ehesten kann eine Frau später ihrer voll aufs Bundesliga-Fernsehen fokussierten besseren Hälfte die sündhaft teure Neuerwerbung vorführen: Der Gatte ist da in Gedanken vollkommen woanders und registriert die Ebbe nicht, die jetzt auf dem Konto herrscht.
Kinder haben die beiden auch, und gerade im kritischen Alter zwischen 15 und 25. Während Petra noch ganz in der Mama-Rolle aufgeht – inklusive Zimmeraufräumen -, plagen Doris ganz andere Sorgen. Ihr 20-jähriger Sohn Kevin hat ihr eröffnet, mit seiner Freundin Joana-Luise sei es “etwas Ernstes”. Ob sie da wohl auf ein paar entspannte Jahre verzichten muss und gleich von der Mama zur Oma wird? Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Programm. Erst nach unzähligen Anrufen, SMS und Räsonieren über Kindererziehung früher und heute schafft ein Anruf von Kevin ganz am Schluss Klarheit. Ob er sich von Tante Petra wohl den großen Laufstall ausborgen kann, in dem früher eine ganze Horde Kinder Platz hatte?
Als Belohnung für den begeisterten Beifall boten Petra und Doris noch Ausschnitte aus ihrem früheren Programm mit den beiden putzwütigen Schwäbinnen. Passend im Schaffschurz gewandet (“Unter der Schürze liegt die Würze”), bezogen sie immer wieder das Publikum mit ein.

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