Gundelfingen – Wenn Wasserkraft Juwelen schafft

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12.10.2014

Das schwäbische Duo „Dui do on de Sell“ gastierte bereits zum zweiten Mal im Gundelfinger Bleichestadel. Und über allem schwebte dabei das böse O-Wort

Augsburger Allgemeine: 

Mit asiatisch-pilatischem Yoga hielten sich Petra (links) und Doris (rechts) von „Dui do on de Sell“ auf der Bühne im Gundelfinger Bleichestadel fit. Foto: Gaugenrieder

Bitte, das ist das Zauberwort. Und wenn das nicht hilft, dann fährt Doris bei ihrem Angetrauten andere Geschütze auf. Das Ergebnis baumelt rotglitzernd um ihren Hals. „Des isch durch Wasserkraft entstanden“, verrät sie Petra und dem Publikum im Gundelfinger Bleichestadel stolz. „Ja, i hab so lang plärrt, bis er’s kauft hat.“ Ob das kleine Zauberwort mit zwei t allerdings auch bei der neuen Herausforderung hilft, die der resoluten Schwäbin mitten in den Wechseljahren bevorsteht, das ist die Frage. Das böse O-Wort schwebt im Raum. Macht ihr Sohn Kevin sie bald zur Oma? Und findet der rote Laufstall, den Petra seit Jahren auf dem Dachboden hortet, bald eine neue Verwendung?…

Für Doris die absolute Horrorvorstellung. Schließlich ist ihre Nachkommenschaft gerade aus dem Gröbsten raus. Keine halbwüchsige Tochter mehr mit Menstruationshintergrund, keine nächtlichen Taxidienste im Mickey-Maus-Schlafanzug – Polizeikontrolle inklusive. Endlich bleibt einmal Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Und das tun „Dui do on de Sell“ gleich live auf der Bühne. Im Sportoutfit und mit „asiatisch-pilatischem Yoga“. Wobei sich Petra gar nicht ganz so sicher ist, ob sich ihre vergrößerte „erotische Nutzfläche“ mit Sport und weniger Essen überhaupt bekämpfen lässt: „Der Wal schwimmt den ganzen Tag, sauft bloß Wasser, frisst bloß Fisch. Und was is der? Fett.“ Die Schildkröte dagegen, die fresse den ganzen Tag, bewege sich äußerst langsam. Und werde damit uralt. Geschichten über die erste große Liebe mit dem tollen VW Chicorée, den sonntäglichen Prostatastammtisch des Herzallerliebsten und das unvermeidliche Sockenmemory nach dem Waschtag geben die beiden zum Besten. Natürlich im breitesten Schwäbisch. Eine schwere Sprache, wie die Grazien finden. Mindestens so wie Lateinisch. Und nur was für ganz Gscheite. Schließlich wachse der Schwabe praktisch zweisprachig auf: „Wir sagen Gaul und schreiben Pferd“, sagt Petra. „Ja, oder wir schreiben ‚Wie bitte‘ und sagen ‚Hä‘“, meint Doris. Das Publikum im Bleichestadel hatte am Ende des zweiten Gastspiels der beiden nur noch eines zu sagen: spitze. Mündlich wie schriftlich….

 

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