Albstadt 20.06.18 “Schatz, fang doch schon mal an zu bruddeln”

…Es ist schwer auszumachen, was letztlich den Erfolg des Duos ausmacht. Sind es die trefflich gesetzten Pointen, ist es die Spontaneität und Imporovisationskunst oder das unübertrefflich authentische Auftreten? Wahrscheinlich ist es eine Mischung von alldem. Hinzu kommt, dass beide Künstlerinnen nicht nur ungemein sympathisch wirken, sondern es auch wirklich sind, wie sich auch im Gespräch bestätigt.

Ohne großen Bühnenaufwand – ein Tisch und zwei Stühle genügen – gelingt es den beiden, das Publikum in ihrem Programm “Best of” in eine Welt zu entführen, die alltägliche Szenen überspitzt beschreibt. Viele im Saal haben das so oder ähnlich schon erlebt, man kann sich in die Situation hinein versetzen und sich teils amüsiert, teils etwas verschämt mit den beschriebenen Personen identifizieren. Wer kennt sie denn nicht, die Klagen mancher Frau in den Wechseljahren, wenn sie sich schwitzend im Bett wälzt, die Füße kalt sind und doch unter der Decke heraushängen? Gerade an solchen Episoden merkt man: Es sind nicht nur die Männer, die ihr Fett abkriegen – augenzwinkernd ziehen Petra Binder und Doris Reichenauer auch über die Eigenheiten des eigenen Geschlechts her. Der Lohn für ihren gekonnten Vortrag sind Lachsalven im Minutentakt, immerhin hören die Gäste das Beste aus fünf Themenauftritten in einem abendfüllenden Programm. Petra erzählt gerne von ihrem Gerhard, der gerne mal einen hebt, angetrunken ins Ehegemach kommt und meint: “Schatz, fang scho mal a zu bruddle, sonscht fend i mei Bett nett.” Aber auch die Nachbarsleute werden auf’s Korn genommen, wenn Doris so beiläufig erzählt, dass die Frau von gegenüber grundsätzlich keine Brezeln isst, weil sie den Knoten nicht aufbekommt.

Skurril ist die Geschichte vom kleinen Häsle des Nachbarn, das der Hund tot präsentiert. Das bedauernswerte Tier wird gewaschen und heimlich in den Stall zurück gebracht, was beim Nachbarn fast einen Herzstillstand auslöst, hatte er den Hasen doch tags zuvor verendet gefunden und begraben – jetzt liegt der wieder im Stall. Das Publikum ist begeistert, egal ob der angetrunkene Pfarrer auf der Kanzel auf die Schippe genommen wird, oder ob es um die im Haushalt mithelfenden Ehemänner geht. Die werden zum Graus, wenn sie in Rente gehen und langsam vergesslich werden. Da bleibt nur der Rat, sich eine spezielle Seniorenbankkarte zuzulegen, mit nur einer Zahl als Geheimziffer und zehn möglichen Fehlversuchen.
Der dritte Auftritt – und hoffentlich noch nicht der letzte
Eigentlich ist im Saal nicht die Atmosphäre von Bühne und Zuschauerraum zu spüren, eher fühlt man sich als Mithörer eines Gesprächs zweier Frauen, als säße man direkt neben ihnen. Und man ist geneigt, danach hinzugehen und den beiden zu danken, dass man an solch intimen Gesprächen teilhaben durfte. “Dui do ond de sell” – zu gut Deutsch: Die da und die andere – gastierten zum dritten Mal in Laufen, und es steht außer Frage, dass das Duo auch ein viertes Mal die Halle füllen wird mit einem Programm in gepflegtem Schwäbisch – und natürlich mit Lachgarantie.

Schwarzwälder Boote – Von Hans Raab 20.06.2018 – 18:23 Uhr

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