Machen ihre ersten Schritte im Online-Dating: Petra Binder (links) und Doris Reichenauer als Dui do on de Sell. Foto: Rousek

Calw-Hirsau – Man hat es nicht leicht als Frauen in den Wechseljahren – noch dazu wenn man frisch getrennt ist. Doch so lustig wie das Comedy-Duo „Dui do on de Sell“ vermag das wohl kaum jemand zu vermitteln. Bei „Raus ins Kloster“ sorgten sie mit ihrem ­Programm „Wir feiern unsere Wechseljahre“ für die erste ausverkaufte Veranstaltung.

Es ist aber auch ein Ärger, wenn der Mann nicht so will wie man selbst. Da möchte man ein wenig Zuneigung und Zärtlichkeit und was bekommt man? Spott. Dann ist man doch lieber Single, denkt sich Doris Reichenauer als ihre Bühnenfigur und macht kurzerhand Schluss mit ihrem Angetrauten. „Der Schofseggel“, schimpft sie. Und dann „plärrt“ er auch noch am Telefon. Petra Binders Bühnen-Alias ist schon vier Wochen zurück auf dem Singlemarkt – aber leichter macht es das auch nicht. Gerade in den Wechseljahren, wenn der Schönheitschirurg sich eher wie ein Änderungsschneider gebart und man sich viel jünger fühlt, als man aussieht. „Von innen merkt man nichts vom Alter, aber das Schlimme ist: Man siehts!“

Im Vorfeld komplett ausverkauft

Knapp zwei Stunden lang standen „Dui do on de Sell“ im Kloster Hirsau auf der Bühne. Mit 220 Zuschauern war es die erste Veranstaltung der Reihe „Raus ins Kloster“, die schon im Vorfeld komplett ausverkauft war, wie einer der Veranstalter, Jürgen Ott, bestätigte.

Alle Anwesenden dürften der Lautstärke des Gelächters nach zu urteilen, einen Heidenspaß gehabt haben. Wie Reichenauer und Binder so auf der Bühne stehen, an einen Biertisch gelehnt und sich mühelos die Gags hin- und herspielen ist phänomenal. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, beim Plausch zweier Freundinnen dabei zu sein. Und der hat es in sich – vor allem was das Thema Männer anbelangt. Die kommen ja aus der Pubertät sowieso nicht raus, sind sich „Dui do on de Sell“ einig – nur die Spielsachen werden teurer. Kommen sie dann in ein gewisses Alter, gebe es verschiedene „Sorten“ von Männern: Diejenigen, die sich ein Cabrio kaufen, die an einem Stadtmarathon teilnehmen oder jene, die sich ein Mountainbike zulegen. So mancher männlicher Zuschauer dürfte sich in dieser Schilderung wiedergefunden haben. Zumindest warfen etliche Frauen ihren Nebensitzern wissende Blicke zu.

Aber welcher Typ Mann wäre eigentlich der richtige für die frischgebackenen Singles? Reichenauer ließ sich in dieser Sache von Binder beraten, die ja schon ein paar Wochen Vorsprung in der Dating-Szene hat. Lieber einen Holzfäller-Typ oder doch eher ein kultivierter? Aber bloß nicht so kultiviert, dass er die eigenen Sätze verbessert. Im Publikum, wo sich die beiden Musterbeispiele anschauen wollten, wurden Binder und Reichenauer jedenfalls nur bedingt fündig. Die spontane Interaktion mit den Zuschauern wurde von diesen aber gerne zurückgespielt.

Doch lieber eine Katze?

Nur – möchte man eigentlich überhaupt nochmal einen Mann?, fragten sich Binder und Reichenauer im Verlauf des Abends. „Stationär nicht“, stand für sie fest. Wenn dann ambulant. Oder doch lieber eine Katze, die könne man schließlich schneller füttern.

Es ging bei „Dui do on de Sell“ aber mitnichten nur um die Männer. Begleitet von wechseljahr-typischen Hitzewallungen echauffierte sich Reichenauer zum Beispiel über eine Nachbarin, die inzwischen so voller Plastik sei, dass man sie eines Tages im gelben Sack würde entsorgen müssen. Binder hingegen teilte traumatische Erlebnisse beim Frauenarzt (man sollte Intimdeo nicht mit Glitzerspray verwechseln) und in der Sauna („Was man da alles sieht!“) mit den Zuschauern. Und natürlich durften auch einige lebensverändernde Weisheiten nicht fehlen: „Wie man sich füttert, so wiegt man“ zum Beispiel, oder das oberste Gebot: „Man macht keine Späße über anderer Leute Gewicht.“

Glücklich wieder auf Bühne zu stehen

„Es ist so schön, wenn wieder Leute vor einem sitzen“, schwärmten die beiden Frauen am Ende ihres Auftritts. Fernsehen habe man in den vergangenen Monaten schließlich genug geglotzt. Die Freude über diesen Abend beruhte auf Gegenseitigkeit. Das Publikum wollte das Comedy-Duo nicht ohne Zugabe ziehen lassen. Dabei erfuhren sie sogar noch, dass „Dui do on de Sell“ vor 19 Jahren im Klosterkeller Hirsau, also praktisch genau am Ort ihres Auftritts, entstanden sei. Damals waren sie bei einer Party zu zweit für eine Theatergruppe eingesprungen, als Putzfrauen verkleidet. Die Geburtsstunde des Duos. Ihr „Entdecker“ saß mit im Publikum.

Reichenauer und Binder richteten zum Schluss einen Appell an die Zuschauer: „Ganget fort“. Wenn ­Veranstaltungsformate wie „Raus ins Kloster“ angeboten würden, sollte man dies unterstützen, betonten sie.

Den beiden war deutlich anzumerken, wie glücklich sie selbst darüber waren, nach der coronabedingten, auftrittslosen Zeit wieder auf der Bühne zu stehen. Und das Publikum, das würde, wenn diese beiden ­Power-Frauen auftreten, ­sicherlich überall hingehen.

Von Bianca Rousek 10.08.2020 – 06:00 Uhr

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