Petra Binder (links) und Doris Reichenauer alias „Dui do un de Sell“ feiern in der Neuen Tonhalle in Villingen ihre 20 Jahre auf der Bühne als schwäbisches Comedy-Duo. Mit dabei das Quintett der „Schrillen Fehlaperla“. Foto: Heinig

Sie stehen schon seit 20 Jahren auf der Bühne und Fragen wie „habt ihr schon im Kindergarten angefangen?“ gehen ihnen runter wie Öl. Doris Reichenauer und Petra Binder alias „Dui do on de Sell“ sind derzeit auf Jubiläumstour und machten auf Einladung des Schwarzwälder Boten auch in der Neuen Tonhalle in Villingen Halt.

VS-Villingen – Mit frecher schwäbischer Comedy wickelten sie ihr Publikum von Anfang an um den Finger, was im vollbesetzten Saal bei einer Zeitreise zu den Anfängen in Wort und Video belegt wurde.

Mit dabei die „Schrillen Fehlaperlen“, ein – ebenfalls schwäbisch-weibliches – Gesangsquartett mit Mann an der Gitarre, das beim Erinnern half und mit seinen teils deftigen Einlagen begeisterte. Die Tonhalle nahmen die Jubilarinnen zunächst als „Putzweiber“ in Beschlag, ganz so, wie es vor zwei Jahrzehnten auf einem Geburtstag begann.

„Ein Ritterschlag“

Eigentlich sollten „Dui do on de Sell“ – ein Name, der sich aus der anfänglichen Unbekanntheit der beiden später ergab – dort als Theatergruppe „Stäffelesrutscher“ aufspielen, doch nach und nach sagten alle ab. Petra und Doris standen alleine da. Aufgeben war nicht, auftreten schon, der Siegeszug begann. Über Firmenfeiern – auf einer wurden die wartenden Künstlerinnen mit echten Clofrauen verwechselt – private und Vereinsfeste erreichte sie schließlich der Ruf in die berühmte Mäulesmühle und damit ins Fernsehen – „ein Ritterschlag“.

Von Traummännern

Übergangslos reicherten die beiden Profis – inzwischen im modernen Outfit – ihre Erzählungen mit Teilen aus ihren Programmen an. Da träumte Petra von ihrem Traummann: groß und stark. Einer, der sie „packt und im Schlafzimmer aufs Bett wirft. Und das Haus durchputzt während ich schlafe“. Oder Doris, die von ihrem im Bett fummelnden Mann berichtet, der eigentlich nur die Fernbedienung sucht. Das überwiegend weibliche Publikum kreischte vor Vergnügen.

Prominente Gratulanten

Dazwischen wurden prominente Gratulanten eingespielt. „Die sin hinter der Bühne genauso luschdig“, plauderten derweil die Fehlaperla, die den Beiden ihre Prominenz zu verdanken haben und sich dafür unter anderem mit der Uraufführung von „Wenn’s di bizzelt, muesch’s mache“ und der schwäbischen Transformation der französischen Punk-Hymne „Ça Plane Pour Moi“ zu einem Loblied auf die Herren: „Des macht mei Ma“.

Eigenes Fernsehformat

Was in Kittelschürze und mit Kopftuch – die Markenzeichen jahrelang – begann, entwickelte sich bei Petra Binder und Doris Reichenauer über etliche Figuren und Themen fort, bis sie in der Coronazeit mit der Wohnzimmer-Comedy im SWR sogar ein eigenes Fernsehformat erhielten.

Videos früherer Auftritte

Höchst amüsant waren an diesem Abend die Videos früherer Auftritte. Zum Piepen die beiden als Urlauberinnen am Strand, bei dem Doris arglos plappert, während Petra mit dem Liegestuhl kämpft. Noch lustiger die Story dazu. Bei einem Auftritt habe eine ältere Dame aus dem Publikum laut geschimpft: „Ja ist denn hier kein Mann im Saal, der der Dame mal hilft?“

Zum festen Bestandteil der Programme wurden auch die Familien der beiden, die Ehemänner Dieter und Gerhard, die Töchter und vor allem Doris Sohn „Kevin“ – alles Pseudonyme, klärten sie auf.

Nächstes Programm

Inzwischen sind die Kleinen groß und aus dem Haus und ihre Gatten fangen an zu nerven. „Regg’ mi net uff“, hieß daher das letzte Programm, dem, wie „Dui do un de Sell“ versprechen, bald ein neues folgen wird. Denn, wie sagte Doris Reichenauer am Schluss: „Wir Künstler brauchen euch dringend – und ihr braucht uns doch auch, oder?“

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