Schlussapplaus für Künstler und Veranstalter (von links): Julian Osswald mit den „Fehlaperlen“, Timo Fasching (Mitte), eingerahmt von Petra Binder und Doris Reichenauer, Bernd Kohlhepp mit Ralf Chizzola und Thomas Schreckenberger mit Carolin Moersch. (Foto: B. Schwarz)

Das Comedy-Festival Freudenstadt – eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Freudenstadt und des Schwarzwälder Boten – ist in seiner dritten Auflage auf dem Weg zur Tradition. Diese Überzeugung verkündete Oberbürgermeister Julian Osswald bei der Eröffnung im ausverkauften Kurtheater.

Freudenstadt – Rund 650 Zuschauer aus dem ganzen Schwabo-Land erlebten fast drei Stunden lang ausgelassene Kleinkunst und damit, so Osswald, „ein Programm der Extraklasse“.

Das Festival sei zu einem Markenzeichen in der Stadt der Freude geworden, meinte auch Timo Fasching, Marketingleiter des Schwarzwälder Boten, in seiner Begrüßungsrede, in der er auch gleich die Künstler – „alle Kleinkunstpreisträger“ – vorstellte und die Bühne für eine ausgelassene und abwechslungsreiche Party, die ihr Publikum dauerhaft bei guter Laune und beim Lachen hielt, frei gab. Zu Letzterem trug gewiss auch die Vielseitigkeit des Programms, vom breit-schwäbischen Küchenklatsch bis zur spitzfindigen Satire, bei. Und gesungen wurde auch. Zum Beispiel bei den „schrillen Fehlaperlen“, einem munteren Querschnitt durch alle Alters- und Gewichtsklassen der Hausfrauen aus Neufra – „zwischen Burladingen und Bulgarien gelegen“ – samt ihrem musikalischen Leiter, dem Musikus Ferdi.

„Ein einmaliges Publikum“

Wer die „Fehlaperlen“ bis dato nicht kannte, wird sie so schnell nicht mehr vergessen. Nicht sie, nicht ihren ansteckenden Humor, nicht ihr textliches und stimmliches Vermögen, noch ihr selbstironisches Liedgut über Alltägliches aus Neufra und Amore aus Italia. Die Fünf hatten keine zehn Takte gesungen, da klatschte schon der ganz Saal den Rhythmus mit. „Ein einmaliges Publikum“, flüsterte „Perle“ Tine Riester nach ihrem Auftritt hingerissen dem Autor dieser Zeilen zu.

„Dui do on de Sell“ kennt fast jeder, zumindest von der Mattscheibe her. Live sind sie noch besser. Der vorlauten Doris Reichenauer und der hintersinnigen Petra Binder ist nichts heilig, wenn sie über die Launen des Lebens und der Männer augenzwinkernd lästern. Da muss dann auch mal der schwäbische Dialekt gütig über mancherlei Fallstricke des Schicklichen in ihren Sprüchen hinweg helfen. Die beiden übernahmen, schlichtweg saukomisch, die Moderation des Abends und fanden mit ihrer alten und neuen pfiffigen und treffsicheren Küchen-Philosophie immer wieder ein laut lachendes Publikum.

Kohlhepp kommt zum Schluss

Nach der Pause, in der man sich bei „Enchilada“ stärken konnte, ging es mit den beiden Plaudertaschen sowie mit Thomas Schreckenberger weiter, der neben spitzfindiger Satire auch die Kunst der Parodie beherrscht. Zum Beispiel wenn er sich über die landesväterlich ausgerufene Renaissance des Waschlappens freut. Witzig und geistreich karikierte er politische Größen wie Christian Lindner, dem es gelinge, Vakuum in einen Maßanzug zu drapieren, oder Robert Habeck, den er wegen seiner kummervollen Sorgenmine den Oberammergauer Passionsspielen empfahl, wo er auf den zotteligen Anton Hofreiter treffe. Aktuell feierte er Verteidigungsministerin Christine Lambrechts Meisterleistung, der es tatsächlich gelungen sei, ihre ruhmreichen Amtsvorgänger wie Scharping, von Guttenberg oder Kramp-Karrenbauer noch zu toppen.

Den Besten hatten sich die Veranstalter für den Schluss aufgehoben: Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle aus Bempflingen. Kohlhepp ist Komödiant von der großen Zehe bis unter den Hut, von seinem giftgrünen Anzug mal ganz abgesehen. Voller spitzbübischem Humor nimmt er alles Alltägliche und Absonderliche aufs Korn, schäkert schelmisch und schnauzt gutmütig mit seinen Opfern in der ersten Reihe, und hat für alles und jeden ein letztes punktgenau treffendes Wort.

Riesenapplaus zum Finale

Kohlhepp ist ein ausgezeichneter Musiker und Jazzer. Macht er den Elvis, stimmt jeder Schluchzer und jeder Hüftknick, ebenso perfekt rappt und singt er, um zwischendrin wie ein Unwetter daher zu schwadronieren.

Gerührt schnüffelte er seinen Dank an Veranstaltungsleiterin Corinna Gerlach ins Publikum, die ihm über viele Jahre hinweg einen (Bühnen-)Platz im Freudenstädter Kurhaus warm gehalten hatte. Unvergesslich auch Hämmerles schwäbische Tandra in abgewandelter Pfötchenstellung.

Zum guten Finale gab es einen Riesenapplaus, gegenseitige Lob- und Dankesworte, es gab Blumen und Geschenke für Künstlerinnen und Künstler, übergeben von Carolin Moersch und Corinna Gerlach von der Freudenstadt Tourismus sowie von Timo Fasching und Ralf Chizzola namens des Schwarzwälder Boten. Eine gute Gelegenheit für den Oberbürgermeister, seine Facebook-Freundinnen „Dui do“ sowie „de Sell“ herzhaft zu knuddeln.

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