Doris Reichenauer begeistert mit ihrem Soloprogramm „I moin’s doch bloß gut!“ in der Schützinger Festhalle. Foto: Stahlfeld

Illingen-Schützingen. Seit rund zwei Jahrzehnten sind Petra Binder und Doris Reichenauer „Dui do on de Sell“. Die beiden schlagfertigen Powerfrauen waren in dieser Zeit auch im Schützinger Spatzabrettle regelmäßig zu Gast. „Petra isch krank“, erklärte dort am Samstag „De Sell“ (Reichenauer) warum sie dieses Mal den Abend alleine bestritt. Als Solokünstlerin begeisterte sie in der voll besetzten Festhalle mit ihrem neuen Programm „I moin’s doch bloß gut!“. 
Petra Binder muss aus gesundheitlichen Gründen länger pausieren, wie auf der Homepage des Duos nachzulesen ist. Und was soll man sagen: Doris Reichenauer gelang es auch im Alleindurchgang, „Dui do on de Sell“ fulminant zu vertreten.

„Reg mi net uf“ war zwar auf dem über einen Stuhl gespannten T-Shirt auf der Bühne zu lesen. Doch Doris Reichenauer regte sich auf. Anlass dazu gab es genug. Der Ehemann Dieter sei nun in Altersteilzeit, stöhnte sie. Der müsse jetzt daheim beschäftigt werden. Aber was kann Dieter eigentlich tun, ohne irgendetwas kaputtzumachen? Zum Glück gebe es den „Prostata-Stammtisch“ für Männer über 60. „Das Einfinden in den Alltag“, sei für Dieter schwer, räumte sie ein. Deshalb schreibe er Tagebuch. Ein über den Tag verteilter Eintrag laute „sexuelle Aktivität“, wunderte sich die Gattin und forderte, wie sie erzählte, Aufklärung. „Do gosch mir immer auf den Sack“, so die wenig schmeichelhafte Antwort, von Reichenauer wie gewohnt ganz trocken vorgetragen. Und schon brüllte ihr Publikum einmal mehr vor Lachen.
Doch „De Sell“ beeindruckte das wenig. Sie teilte selbst kräftig aus, der Ehemann säge nachts den Schwarzwald nieder, beschrieb sie sein Schnarchen, das sie nicht schlafen lasse. Als seien Schlafprobleme aufgrund der Wechseljahre nicht genug. „Die Haare gehen raus“, beschrieb sie weitere Folgen. „Aber die kommen wieder“, beruhigte sie und strich sich vielsagend über das Kinn. Die Künstlerin nahm wahrlich kein Blatt vor den Mund. Schonungslos wurde der Alltag von Ehepaaren in den „besseren Jahren“ unter die Lupe genommen und seziert. Ihren Gästen dürfte so manchen bekannt gewesen sein.
Aber, so betonte sie: Mann und Frau altern gleichwertig. Dass Männer jüngere Frauen bevorzugten, sei für sie kein Ärgernis. „Mir gefallen junge Männer auch besser“, räumte Reichenauer unumwunden auf ihre ehrliche Art ein und kam umgehend zur „Erotik des Alters“ und ehemaligen Traummännern, die mit den Jahren Glatze und Bauch bekommen. Indes: Eine wichtige Funktion verliert der Gatte vermutlich nie, wie sie als Ehefrau unumwunden zugab. Den Mann könne man immer gut als Ventil benutzen. Einmal mehr lieferte der Alltag ausreichend Stoff für einen unfassbar witzigen Comedy-Abend.
Von Ulrike Stahlfeld, Mühlacker Tagblatt